Persönlicher Bericht

 

Name: Johanna

Alter: 16

Wohnort in Deutschland: Hamburg - Sülldorf

Wohnort in Frankreich: Vinassan

Lycée: Dr. Lacroix Narbonne

Gastfamilienmitglieder: Vater, Mutter, 2 Schwestern (16 & 19), 2 Katzen und einen Hund

Praktikum: Centre De Loisir FRANCAS Villegly

 

 

Mit dem ersten Monat, den wir acht Teilnehmerinnen alle zusammen im MJC in Carcassonne verbracht haben, hat das halbe Jahr in Südfrankreich schon mal toll begon­nen. Die ersten zehn Tage deutsch­fran­zösischer Sprachkurs haben vielleicht nicht unbedingt meine Sprachkenntnisse verbes­sert, aber dafür umso mehr den Mut zum Sprechen und sich Ausdrücken und außer­dem den ersten Kontakt zu gleichaltrigen Franzosen ermöglicht, da wir nicht nur mit ihnen zusammen gearbeitet sondern auch in einem Zimmer geschlafen haben. Durch die vielen Ausflüge haben wir gleich die Gegend kennen gelernt und sich somit nicht mehr ganz so fremd gefühlt in der neuen Umgebung. Dabei haben uns auch unsere tollen Betreuerinnen geholfen, die immer für uns da waren, wenn wir sie gebraucht haben und mit denen wir auch mal einfach nur Spaß haben konnten. Das Verhältnis zwischen uns Deutschen ist im Laufe der Zeit immer besser geworden, und wir haben die Unternehmungen und täglichen Restaurantbesuche zusammen genossen.

 

Nach dem Sprachkurs haben wir dann unser dreiwöchiges Praktikum angefangen, das ich in einem Ferienfreizeitzentrum gemacht habe. Dort habe ich geholfen, Kinder zwischen drei und sechs Jahren zu betreuen - das war eine tolle Erfahrung und hat viel Spaß gemacht, auch wenn meine Arbeitszeiten und die Arbeit mit den Kindern  sehr ermüdend war. So habe ich gleich die autoritäre französische Erziehung kennen gelernt... Normalerweise dauert das Praktikum drei Wochen lang, aber auf Grund der Ferienzeiten hat das Freizeitzentrum schon nach zwei Wochen geschlossen und ich habe in der letzten Woche ein Theaterseminar im MJC mitgemacht. Das hat auch sehr viel Spaß gemacht, vor allen Dingen, weil verschiedene Nationalitäten daran teilgenommen haben.

Als ich nach einem schweren Abschied von der tollen Zeit in Carcassonne dann in das kleine Dorf Vinassan in der Nähe von Narbonne gekommen bin, hatte ich noch zehn Tage Ferien, in denen ich jedoch nicht viel unternommen habe.

Als dann der erste Schultag kam, war ich schon ziemlich aufgeregt, und es stellte sich auch als etwas schwierig und chaotisch heraus, da die Schule die Anmeldung von mir und Natascha verloren hatte. Aber schon am nächsten Tag wurde alles besser und insgesamt bin ich sehr froh, auf diese Schule gekommen zu sein: Die Lehrer waren größtenteils nett und verständig, auch wenn das Schüler-Lehrer-Verhältnis nicht so persön­lich ist, wie ich es aus meiner Schule in Deutschland gewöhnt bin. In meiner Klasse waren nur Mädchen, was Zufall war und ich am Anfang zwar als komisch empfunden habe, aber sich schon bald als toll rausstellte, da wir eine super gute Klassengemeinschaft waren. Ich habe auch schon bald tolle Freundinnen gefunden, von denen der Abschied am Schluss dementsprechend schwer wurde und ich sicher sein kann, mit ihnen in Kontakt zu bleiben.

Der Unterricht ist ziemlich anders als in Deutschland, da die Lehrer fast nur diktieren, während die Schüler mitschreiben müssen, wobei ich vor allem Anfang natürlich meine Probleme hatte, da mir die Sprache auch noch nicht vertraut war. Zum Glück haben mir meine Freundinnen geholfen, indem sie mir oft den Stoff erklärt haben oder mich ihre Stunden abschrieben ließen. Das Niveau in den naturwissenschaftlichen Fächern ist ziemlich niedrig, was aber wahr­scheinlich auch daran liegt, dass ich in dem Literaturzweig war. Aber auch in Englisch ist es nicht mit dem Niveau in Deutschland zu vergleichen und so hatte ich eigentlich nur etwas Schwierigkeiten in den Fächern Geschichte/Geographie und Französisch/Literatur. Trotzdem habe ich das Bac Blanc (die Vorabitursprüfung hier in Frankreich) mitgeschrieben, habe noch nicht mal schlechte Ergebnisse und bin vor allen Dingen über die Erfahrung froh, die ich zum Beispiel in der mündlichen Prüfung gemacht habe.

Mein Alltag im Allgemeinen war ziemlich anstrengend: Jeden Tag musste ich um 6h aufstehen um schon eine Stunde später den Schulbus zu nehmen, den man lieber nicht verpassen sollte, da die Busse hier leider nicht so regelmäßig fahren... Und wenn man dann nach vielen anstrengenden Schulstunden um 5 oder 6h nach Hause kommt, bleibt leider nicht mehr so viel Zeit für irgendwelche Freizeitaktivitäten. Trotzdem bin ich an zwei Abenden in der Woche ins MJC in Vinassan gegangen um mit ein paar netten Frauen aus dem Dorf Sport zu machen. Auch den Mittwochnachmittag hatte ich nicht frei, da ich die Option Theater gewählt habe, was ich nur weiterempfehlen kann, da es einem erstens hilft, spielerisch das Französisch zu verbessern und man so außerdem viele neue Kontakte knüpfen kann.

Über meine Gastfamilie muss ich sagen, dass das Verhältnis zwischen mir und ihnen die ganze Zeit nicht das beste war, was aber seine Gründe hatte, die leider erst zwei Tage vor Schluss herausgekommen sind. Ich kann und möchte hier auch nicht die ganze Geschichte erzählen, ich weiß nur, dass alle ihre Fehler gemacht haben und als Tipp kann ich sagen, dass man zwar in höflicher Form aber trotzdem offen sagen sollte, wenn einen etwas stört oder man sich einfach nicht wohl fühlt!

In den letzten Tagen in meiner Gastfamilie haben wir sehr viel geredet und alles insgesamt war eine tolle Erfahrung und eine Zeit, aus der ich viel gelernt habe.

 

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