Persönlicher Bericht
 
Name: Luise
Alter: 17
Wohnort in Deutschland: Hamburg 
Wohnort in Frankreich: Palaja
Gastfamilie: eine Gastmutter, 2 Gastbrüder, die nicht mehr zu Hause wohnen 
(26 und 30)und eine Gastschwester 15, die bei ihrem Vater lebt
Lycée: Lycée Jules Fil, Carcassonne
Praktikumsplatz: Restaurant La Fontaine d'Hélios
 
Den ersten Monat habe ich zusammen mit den 7 anderen Mädchen im mjc, einer Art Jugendherberge gewohnt. Während der ersten Woche haben wir mit einigen Franzosen einen Tandemsprachkurs gemacht, d.h. wir haben uns gegenseitig unsere Sprache beigebracht. In den drei Wochen danach habe ich ein Praktikum im Restaurant gemacht. Dort habe ich gekellnert, Tische vorbereitet und abgedeckt und Gästen Plätze zugewiesen.
Durch diesen Monat gewöhnte ich mich mehr und mehr daran französisch zu sprechen und machte die ersten Fortschritte. So war es dann später einfacher in der Gastfamilie.
 
Ich habe während der 5 Monate bei einer Gastmutter in Palaja, einem kleinem Dorf ca. 5 km   von Carcassonne gewohnt. Es klingt vielleicht etwas merkwürdig nur eine Gastmutter zu haben, aber uns wurde nicht langweilig, denn sie ist Tagesmutter und hat unter der Woche bis zu 3 Tageskinder im Haus. Für mich war es eine ganz neue Erfahrung zu zweit zu leben, so hatte sie   eigentlich immer für mich Zeit, um mir etwas zu erklären oder so. Außerdem kam an jedem zweiten Wochenende und in den Ferien meine kleine Gastschwester zu uns. 
 
Anfang September ging dann für mich und circa 2000 andere Schüler am Lycée Jules Fil der Unterricht los. Ich war mit Sarah zusammen in der 1L. Der erste Schultag war eigentlich der einzige Tag an dem wir von unseren Klassenkameraden (30 Mädchen und 3 Jungs) vollkommen alleine gelassen wurden. Das wurde dann am Ende des Tages zu einem ziemlichen Problem, weil uns niemand das System der Schulbusse erklärt hat. Normalerweise bin ich immer mit dem Bus zur Schule gefahren, aber am ersten Tag wurde ich netterweise von einer Freundin meiner Gastmutter gebracht. So wusste ich nicht wie der Bus aussieht und als ich keinen "Palajabus" gesehen habe, war ich ziemlich am verzweifeln... Später habe wurde mir dann erklärt, dass man an der Schule einfach irgendeinen der Busse nimmt, die (fast) alle zum Bussammelplatz fahren und dort dann in die Dorfbusse umsteigt.
 
In den folgenden Tagen und Wochen habe ich dann auch Anschluss an die Klasse gefunden, die nach dem ersten Tag, wo die Situation auch für sie neu war, dann auch auf uns zuging; doch meine richtigen Freunde habe ich glaub ich erst in den letzten  zwei, drei Monaten richtig gefunden. 
 
In L kann man Sprachen als Optionen belegen, dadurch hatte ich die Chance Englisch (hier als erste Fremdsprache), Deutsch (als zweite Fremdsprache!!!!) und Spanisch (Renforçée, d.h. verstärkt, als Spezialität) weiter zu machen. Meine Lehrer waren alle daran interessiert, warum ich denn in Frankreich bin und haben dann versucht Rücksicht auf Sarah und mich und die drei anderen Deutschen unserer Klasse zu nehmen, indem sie anfangs langsamer diktiert haben. 
 
In der ersten Zeit war es nicht so einfach im Unterricht mit zu schreiben, weil besonders in Französisch wirklich viel diktiert wurde. Mit der Zeit ging es aber immer besser und so habe ich wie alle Anderen am Unterricht teilgenommen und kurz vor den Weihnachtsferien mein Zeugnis bekommen. Darauf war ich schon ziemlich stolz ...
 
Ich hatte mir eigentlich gewünscht während meines Aufenthaltes in Südfrankreich mit Judo weiter zu machen und habe auch  einen Verein gefunden, wo ich einige Male zum Training gegangen bin. Leider hatte ich dann einige Probleme mit dem Hinkommen und dann mit der Bezahlung, weil man nur Trimesterweise bezahlen konnte und so habe ich letztendlich doch nicht weitergemacht. Wenn man also hier ein Hobby weitermachen will, sollte man das gleich am Anfang sagen bzw. sich darum kümmern.
 
Insgesamt verging die Zeit ziemlich schnell rum, ich kam in meine Gastfamilie, die Schule fing an, dann waren schon Herbstferien, dann Weihnachten und dann die Auswertungswoche.
Man muss sagen, dass meine Gastfamilie  nicht sehr typisch südfranzösisch war, da meine Gastmutter von Martinique kam. So versorgte sie mich immer mit regionalen Spezialitäten, besonders zu Weihnachten oder unseren Geburtstagen wurden dann mehr als 3-Gänge gekocht, was natürlich dazu führte, dass ich zugenommen habe!
 
Abschließend kann ich nur sagen, dass es 6 schöne Monate voller neuer Erfahrungen waren, die mich verändert haben. In meiner Gastfamilie hatte ich Freiheiten, die ich in Hamburg nicht hatte und dadurch musste ich Entscheidungen treffen, die mich erwachsener werden lassen haben. Ich würde diesen Aufenthalt jeder Zeit wiederholen, denn dadurch habe ich Seiten an Frankreich entdeckt, die man durch einen  Urlaub nicht entdeckt hätte 

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