Susanne

Ich habe mein Praktikum im Hotel Le Donjon in der Cité gemacht. Als ich erfuhr, dass ich drei Wochen in der Cité arbeiten sollte, habe ich mich erstmal sehr gefreut, denn ich dachte, das ist die Gelegenheit, die Cité mal richtig kennen zu lernen. Der einzige Nachteil war, sich jeden Morgen vom MJC aus dorthin schleppen zu müssen. Für die Arbeit dort mussten  Corinna (sie hat auch im Hotel gearbeitet) und ich uns erstmal mit Schwarz-Weiß-Kleidung eindecken, was aber nicht weiter schwer fiel. Im Hotel waren Corinna und ich für zwei Bereiche eingeteilt:

Die Rezeption und das Frühstücksbuffet. Wir haben beide jeweils anderthalb Wochen das eine and dann das andere gemacht; zumindest war es so vorgesehen…

Meinen ersten Tag hab ich an der Rezeption begonnen:
Ich kam also voller Neugierde und Freude  im Hotel an, und nachdem wir uns am Frühstücksbuffet bedient hatten (denn dies war ein Teil der Vereinbarung; dass Corinna und ich im Hotel frühstücken durften) ging ich also in das kleine Büro hinter der Rezeption und stellte mich vor. Die Leute dort nahmen mich also irgendwie zur Kenntnis und beschäftigten sich dann weiter mit ihrem Kram, während ich mich dann mutig mit hinter die Rezeptionstheke stellte. Nach mehrmaligem Fragen, ob ich helfen könnte und einigen Stunden Stehen wurde ich dann wieder irgendwann nach hinten geschickt, da ich anscheinend im Weg stand. Den Rest des Tages (mit Ausnahme des Mittagessens, zu dem ich mich mit Corinna im Speisesaal traf) verbrachte ich also nichts tuend in dem kleinen stinkenden Büro. In den nächsten Tagen stellte ich glücklicherweise aber fest, dass es auch einige nettere Leute an der Rezeption gibt, und so wurde mir dann doch noch einiges im Hotel und an der Rezeption gezeigt. Mit der Zeit konnte ich den Computer schon ziemlich gut bedienen und kannte mich insgesamt schon viel besser aus, sodass ich immer selbständiger arbeiten konnte (z.B. sprach ich mit den Gästen, nahm Reservierungen auf, antwortete auf Emails, begleitete Gäste zu ihren Zimmern oder brachte Gepäck in die Bagagerie). Meine Tätigkeiten an der Rezeption hingen immer sehr stark von den Personen ab, die gerade Schicht hatten, denn es gab Personen, die mich, wahrscheinlich mangels Französischkenntnissen, anscheinend nicht für ganz so helle hielten. So kam es z.B. auch vor, dass Corinna und ich uns in einer ziemlich unangenehmen, fast erniedrigenden, Lage befanden, in der ganz offensichtlich schlecht über uns geredet wurde, wobei wahrscheinlich angenommen wurde, dass wir nichts verstehen. Dies hat mir gezeigt, dass das Verständnis für uns „Ausländer“ nicht ganz so groß ist, aber trotzdem haben Corinna und ich nicht aufgegeben, sondern weitergemacht, schlißlich gab es auch ein paar ganz nette Leute, die sich um uns gekümmert haben. Ich denke, dass ich an der Rezeption im Endeffekt doch einiges gelernt habe, und vor allem war es eine interessante Erfahrung, mit so vielen Sprachen gleichzeitig, vor allem aber natürlich mit dem Französischen, zu tun zu haben. Die Aufgabe beim Frühstücksbuffet bestand eigentlich nur darin, immer nachzugucken, ob was am Buffet fehlte und es dann dementsprechend nachzufüllen, Tische auf- und abzudecken, Tabletts vorzubereiten und in der Küche zu helfen. Das Problem war nur, dass die Arbeit dort so gegen 13h, wenn der Saal und die Küche gesäubert waren, erledigt war, so dass es für mich, da ich bis um 15h dort bleiben musste, nichts mehr zu machen gab. Die Chefin vom Frükstücksbuffet schien das aber so aufgefasst zu haben, dass ich dann zu ihrem Nutzen irgendwie beschäftigt werden müsste, also durfte ich entweder den Garten und den Sandweg rechen, Laub kehren, Blätter und Zigarettenstummel zwischen den Steinen herauspicken oder eben mal die gesamte Kelleretage wischen. Mal abgesehen davon, dass es einen Gärtner gab, der eigentlich dafür zuständig war, war der Chefin meine Arbeit zum Beispiel beim Laubkehren nicht gründlich genug, sodass sie den Drang verspüren musste, den Dreck unter den Bäumen noch einmal auf die Steinplatten zu schieben, mit dem Auftrag an mich, noch einmal anzufangen. Welch ein Wunder, dass es mir nicht gelang, die Terasse völlig krümelfrei zu bekommen. Man könnte es aber darauf zurückführen, dass es etwas schwierig ist, im Herbst in Carcassonne (!) unter einem riesigen Baum zu stehen und Blätter zu beseitigen. Glücklicherweise wurde ich von einigen netten Leuten der Rezeption bei der Gartenarbeit entdeckt, die mich etwas geschockt fragten, warum ich denn im Garten arbeite. So kam es dann also, dass mit der Chefin vom Frühstücksbuffet gesprochen wurde und ihr deutlich erklärt wurde, dass es absolut nicht in meinen Aufgabenbereich (in ihren übrigens auch nicht!) gehörte, den Garten zu pflegen. Also musste sie mich jetzt jeden Mittag, nachdem alles in der Küche und im Esssaal erledigt war, grummelnd an die Rezeption gehen lassen, wo ich für die Nachmittage Gott sei dank wieder aufgenommen wurde.

 

Ich fand diese drei Wochen des Praktikums einen interessanten Einstieg, jedoch würde ich nicht unbedingt weiter empfehlen, es im Hotel Donjon zu machen. Und wenn doch, sollte man beschäftigungsbedingte Arbeitszeiten vereinbaren, so dass man am Ende nicht nur als Putz-/ Garten- / …hilfe benutzt wird.

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