Meine sechs Monate in Frankreich BACK
Ich hatte mich entschieden, den Zug zu nehmen, um nach Frankreich zu kommen. Die erste Erfahrung mit meinem Französisch machte ich gleich in meinem TGV, nachdem ich die französische Grenze hinter mir gelassen hatte. Mir war etwas mit meiner Fahrkarte nicht klar, und ich stellte dem Kontrolleur eine seit fünf Minuten vorher vorbereitete Frage. Er antwortete auf englisch.
Nach 18 Stunden Zugfahrt kam ich dann endlich auf dem Bahnhof an, wo ich auch gleich schon von ROUDEL abgeholt wurde und ins MJC gefahren wurde. Dort verbrachte ich auch die ersten vier Wochen. Der Sprachkurs in der ersten Woche hat Spass gemacht, obwohl er mir sprachlich nichts brachte. Spannend waren auch die Ausflüge an den Nachmittagen hier in der Umgebung.
Die nächsten drei Wochen machte ich ein Praktikum, das mir nicht so gefallen hat. Ich habe es in dem Büro gemacht, das das Kulturprogramm von Carcassonne organisiert. Dort gab es nicht wirklich etwas für mich zu tun, ich habe hauptsächlich Prospekte verteilt, und es war etwas langweilig.
Mit meiner Gastfamilie hatte ich unglaublich Glück. Meine Gasteltern waren Kunstlehrer, und mein Gastbruder war auf einen Internat in Perpignan und kam fürs Wochenende nach Hause. Ich hatte auch eine 14-jährige Schwester, die aber in einer Gastfamilie in Paris lebte, um dort aufs Tanzkonservatorium zu gehen.

Als sie mich für das erste Wochenende zu sich nach Hause holten, verstand ich noch sehr wenig Französisch und war auch noch sehr blockiert und schaffte es fast nicht, einen vernünftigen Satz heraus zu bringen. Sie haben sich aber ganz viel Mühe gegeben, mich zu verstehen und haben extra ganz langsam geredet und mir alles noch einmal erklärt, wenn ich etwas nicht verstanden hatte. Sie haben zwar ganz viel mit mir gemacht und mir gezeigt, aber ich fühlte mich sofort, was sich später auch nicht änderte, als ein Familienmitglied. Mein  Zimmer war unerwartet groß, und meine Gastfamilie hatte es total schön eingerichtet.

Kurz nachdem ich in die Familie gekommen war, fuhren wir los nach Paris, um dort meine Gastschwester bei ihrer Gastfamilie einzurichten. Einerseits war das natürlich super, ich machte Urlaub in Paris, und meine Gastfamilie hat mir viel von der Stadt gezeigt aber meine Gastfamilie, die bis vor vor 4 Jahren dort gewohnt hatte, besuchte jeden Tag Verwandte, bei denen wir dann stundenlang zum Essen blieben. Alle waren sehr nett zu mir, aber ich verstand zum großen Teil die Gespräche noch nicht und fühlte mich in der ersten Zeit etwas verloren.

Als wir dann wieder in unserem Dorf angekommen waren, fing auch bald die Schule an.

Ich ging in Narbonne zur Schule, es fuhr ein Schulbus am Morgen um 6.45 und hin und zwei Busse zurück. Mit dem Bus dauerte die Fahrt eine Stunde, nahmen mich meine Gasteltern, die in Narbonne arbeiteten, mit, nur eine halbe.

Ich ging mit einer sehr guten Freundin aus Hamburg, deren Gastfamilie in Narbonne wohnte, in die gleiche Klasse, und an unserem ersten Schultag waren wir beide etwas gechockt. Die Schule war riesig, hässlich und anonym, und wir wurden unserer Klasse nicht mal vorgestellt. Die anderen Schüler fragten uns zwar ein paar Standardfragen, aber danach gingen sie wieder weg, und wir waren alleine. Vielleicht haben wir auch erst ein bisschen isoliert gewirkt, weil wir den Fehler gemacht haben, deutsch untereinander zu sprechen. Mit einem Mädchen aus unserer Klasse freundeten wir uns richtig an, die anderen blieben zwar freundlich aber oberflächlich. Auch am Wochenende habe ich nie etwas mit Leuten aus meiner Klasse gemacht. Ich habe die Wochenenden eher mit meiner Familie verbracht. Ich habe mich sehr gut mit meinem Gastbruder verstanden und viel mit ihm zusammen gemacht. Wir waren aber sehr auf meine Gasteltern angewiesen, weil wir in einem Dorf wohnten, in dem am Wochenende kein Bus fuhr und von dem man 20 Minuten mit dem Auto zum nächsten Bahnhof brauchte. Manchmal war es an den Wochenenden etwas langweilig, wenn meine Gastfamilie viel Arbeit hatte und ich nicht wirklich viel zu tun hatte, aber meistens haben wir schöne Sachen gemacht. Wir haben Ausflüge in Städte der Region gemacht, waren in Konzerten und im Kino, waren am Meer... Meine Gastfamilie war wahnsinnig nett, ich fühlte mich während der ganzen sechs Monate sehr wohl, und habe mich sehr gut mit ihnen verstanden.

In der Woche war ich fast jeden Tag erst nach 7 Uhr zu hause, nur den Mittwochnachmitag hatte ich frei. Ich hatte also nicht wirklich viel Freizeit. Am Mittwoch habe ich meistens etwas mit meiner deutschen Freundin in Narbonne gemacht.

Die Schule habe ich als ziemlich streng und diszipliniert erlebt. Die Schüler in unserer Klasse haben viel gearbeitet, und es war eigentlich immer still in den Stunden. Die meisten Lehrer haben uns weiter nicht beachtet, aber trotzdem verlangt, dass wir die Hausaufgaben machen und die Arbeiten schreiben. Die Lehrerinnen der Sprachen waren aber freundlich und verständlich mit uns und haben unsere Anstrengungen gewürdigt. Hier ist der Unterricht so zu beschreiben, dass der Lehrer vor der Klasse steht, redet und die Schüler mitschreiben. Es ist also mehr Vortrag als Diskussion.

Zu dem Französisch: Ich war in der Schule immer gut in dem Fach Französisch gewesen, aber als ich nach Frankreich kam, schaffte ich es fast nicht, einen korrekten Satz zu sagen, und verstanden habe ich auch nicht gut. Als ich aber in die Gastfamilie kam, machte ich ganz schnell grosse Fortschritte, so dass ich wenigstens ausdrücken konnte, was ich wollte, und verstehen tat ich auch immer besser. Danach habe ich mich weiter langsam und immer ein wenig verbessert. Jetzt, wo ich fahre, habe ich das Gefühl, fast alles zu verstehen und auf jeden Fall sagen zu können, was ich sagen möchte, aber ich weiss, dass ich noch viele Fehler mache und dass mir auch noch viele Vokabeln fehlen. Das Problem war, dass ich in der Schule, wenn ich mit meiner deutschen Freundin alleine war, viel zu viel deutsch redete. Wir hätten sofort anfangen müssen, auch auf französisch untereinander zu reden.

Wenn ich auf die letzten sechs Monate zurückblicke, hatte ich eine wunderschöne Zeit in Frankreich. Es gab es viele schöne Momente, auch schlechte und schwierige, aber ich habe den Austausch genossen, und ich würde ihn noch einmal machen. Es ist schwierig, jetzt zu gehen, und ich weiß, dass mir vieles fehlen wird, aber ich bin auch froh, einiges, wie die Schule, zu verlassen.

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