Persönlicher Bericht von Jasmin
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Sprachkurs:
Erst dachte ich: "Ein Sprachkurs? Cool!". Doch ein bisschen Angst vor Allem, was auf mich und die anderen Deutschen zukommen würde, mit denen ich 1 Monat lang zusammen wohnen sollte, hatte ich schon. Zum Glück gab es dafür keinen Grund. Der Sprachkurs machte riesigen Spass, und wir Deutschen waren von Anfang an eine tolle Gruppe Jugendlicher, die sich super untereinander verstanden. Ich denke, der Sprachkurs war eine gute Möglichkeit, sich auf die Monate in einem fremden Land vorzubereiten und mehr von Frankreich kennen zu lernen. Das Programm war abwechslungsreich und interessant gestaltet und wurde nie langweilig. Wir alle hatten eine wirklich schöne Zeit zusammen, die ich bestimmt nicht vergessen werde.

Gastfamilie:
Die ersten Tage in meiner Gastfamilie fühlte ich mich eher fremd. Zum Glück war ich nicht ganz alleine, denn bis zum Schulbeginn wohnte Lara, deren eigene Gastfamilie noch im Urlaub war, bei mir. So hatte ich anfangs ein bisschen Unterstützung. Bald hatte ich mich dann aber auch eingelebt und an Familie und Umfeld gewöhnt. Meine Gasteltern empfand ich die ersten Wochen als sehr rücksichtsvoll und verständlich. Sie erwarteten nicht gleich von mir, dass ich ihnen meine Lebensgeschichte erzähle oder viel Zeit mit ihnen und meinen Gastgeschwistern verbringe. Sie bedrängten mich nicht und waren auch nicht beleidigt, wenn ich viel Zeit in meinem Zimmer verbrachte. Mit meiner gleichaltrigen Gastschwester verstand ich mich eigentlich recht gut; doch in der Schule trennten sich dann unsere Wege. Sie hatte ihre Freunde und ich meine. So hatten wir den Rest des Aufenthaltes nicht mehr viel miteinander zu tun. Mit meinem gerade 15-jährigen Gastbruder war das noch mal eine ganz andere Sache. Anfangs war er ziemlich anstrengend und nervig, und ich konnte gut nachvollziehen, warum meine Gastschwester sich des öfteren mit ihm streitet. Doch inzwischen kommen wir miteinander aus.
Positives:
Insgesamt gesehen war meine Gastfamilie ganz okay, und im Vergleich zu anderen hatte ich es doch relativ gut. Obwohl beide Elternteile berufstätig sind, haben sie sich Zeit mit mir genommen und waren auch kompromissbereit.

Negatives:
Ich weiss selbst nicht genau, wie das kommt, aber vor allem die letzten 2 Monate hatte ich das Gefühl, dass mir meine Gasteltern, vor allem meine Gastmutter, nicht mehr so richtig Vertrauen entgegenbrachten. Anstatt mich nur in meinem Zimmer zu langweilen, habe ich des Öfteren etwas mit Freunden unternommen. Meiner Gastmutter wäre es aber, glaub' ich, lieber gewesen, wenn ich - wie meine Gastgeschwister - immer schön zu Hause geblieben wäre. Doch so konnte ich Gegenden wie Narbonne, Toulouse und Andorra kennen lernen, was mit meiner Gastfamilie eher nicht möglich war. Zu Hause war meistens tote Hose. Mein Gastvater kam oft erst um 20 Uhr von der Arbeit, meine Gastmutter arbeitete so lange im Haushalt und meine Gastgeschwister? Tja, mein Bruder beschäftigte sich wie immer mit Fernseher, PlayStation oder PC, und meine Gastschwester war entweder in ihrem Zimmer oder schaute sich, wie so häufig, ihre Lieblings-Serien an. Was hätte ich da schon machen sollen?
Auch bei Problemen oder Heimweh-Phasen habe ich mich nicht an meine Gastfamilie gewendet. Nicht, weil ich es nicht wollte, sondern eher, weil mein Verhältnis zu ihnen doch nicht so eng war.

Schule:
Der erste Eindruck von meiner Schule war: gross. Es war alles so neu und verwirrend, und ich dachte, ich würde mich bestimmt oft verlaufen. Letztendlich waren auf dem Lycée Jacques Ruffie doch nur 850 Schüler, und man fand sich schnell zurecht. Natürlich gab es viele Dinge, an die man sich nur schwer gewöhnte wie z.B. die langen Schulstunden, das Kantinenessen, usw..
Auch der erste Schultag war ganz anders als erwartet. Nicht so furchtbar wie ich es mir vorgestellt hatte, aber auch nicht so wie ich es mir vorgestellt hatte. Bei 5 Deutschen auf einer Schule war schon klar, dass nicht jeder alleine in eine Klasse kommen würde. Somit war die 1ère ES2 (Wirtschaft & Soziales) ab dem 5. September nicht nur meine sondern auch Corinnas neue Klasse. Was mich wunderte war, dass wir nicht grossartig vorgestellt wurden, sondern wir uns einfach an einen freien Platz setzten und fertig. Unsere Klasse war im Vergleich zu meiner 30-Schüler-Klasse in Deutschland wirklich klein und bestand aus nur 16 Schülern, davon 4 Jungen und der Rest Mädchen.
Dass ich in einer Wirtschaftsklasse gelandet war, fand ich erst ziemlich blöd, da schon in Hamburg PGW (Politik, Gesellschaft, Wirtschaft) zu meinen unbeliebteren Fächern gehörte. Doch zum Glück gab es da noch den Deutschunterricht, der mir hier in Frankreich mit am meisten Spass gebracht hat. Vielleicht hört sich das komisch an, doch dieses Fach war eine gute Möglichkeit, französische Vokabeln zu lernen und auch sonst seine Französischkenntnisse zu verbessern.

Franzosen:
Tja, die Franzosen... was kann man da erzählen? Ich denke, einen Unterschied zu den Deutschen gibt es auf jeden Fall. Gleich am Anfang schon wurde uns erzählt, dass die Franzosen eher schüchtern seien und man wirklich von sich aus auf sie zugehen müsse, um Anschluss zu finden. Erst konnte ich mir das nicht so wirklich vorstellen, doch jetzt kann ich sagen: Es stimmt. Von meiner Schule in Hamburg bin ich es so gewöhnt, dass neue Gastschüler jede Pause umringt von anderen Schülern sind und regelrecht mit Fragen bombardiert werden. Hier in Frankreich wird da eher zurückhaltendes Interesse gezeigt. Aber so sind die Franzosen eben, und da darf man ihnen auch nicht böse sein. Denn wenn man sie erstmal besser kennen gelernt hat, erkennt man, dass unter ihnen auch richtig gute Freunde zu finden sind.

Freizeit:
Freizeit hat man in Frankreich ehrlich gesagt nicht so viel. Von 7 Tagen die Woche bleiben nur der Mittwochnachmittag, wo man die Möglichkeit hat, eines der Sportangebote wahrzunehmen, und das Wochenende, wobei man am Sonntag nicht wirklich viel machen kann. Ich persönlich habe Mittwoch nachmittags keinen Sport getrieben, sondern meine freie Zeit mit Freunden und/oder Corinna in Limoux verbracht. Am Wochendende gab es meist nichts zu tun, und da auch in meinem Dorf von 600 Einwohnern nicht viel los war, musste ich mich rechtzeitig um eine Mitfahrtgelegentheit nach Limoux kümmern, falls ich etwas unternehmen wollte. Die Franzosen sind nämlich eher nicht so gut auf Spontaneität zu sprechen sondern bevorzugen es, wenn alles mit vorheriger Planung erfolgt.

Weihnachten:
Über die Weihnachtsferien hatten wir die Möglichkeit, nach Hamburg zu fliegen, um diese Zeit mit unser eigenen Familie zu verbringen. Dazu entschied sich jedoch nur Franziska, denn für mich und die anderen war klar: Wir wollten dieses Fest gerne einmal anders erleben. Der einzige Unterschied zu Hamburg war eigentlich nur das Essen. Hier gab es meiner Meinung nach ein bisschen zu viel Fisch, Krabben und Austern. Zudem war die Bescherung erst am 1. Weihnachtstag. Da haben wir auch meine Gastgrosseltern besucht. Ich denke, es war eine Erfahrung wert, Weihnachten auch mal in einem anderen Land zu feiern, doch meine eigene Familie habe ich zu dieser Zeit schon ein bisschen vermisst.

Bilanz/Fazit:
Heimweh hatte ich hier ehrlich gesagt relativ wenig, und auch wenn es zwischendurch schwierige Zeiten gab, muss ich doch sagen, dass 6 Monate Frankreich ein tolles Erlebnis sind. Nicht nur, dass man sich charakterlich verändert, sondern auch dass man hier viele Erfahrungen sammelt, die einem im späteren Leben durchaus nützlich sein können. Ein Grund, weshalb ich so einen Aufenthalt nochmal machen würde ist, um vieles, was ich falsch gemacht bzw. falsch angefangen habe, noch mal zu versuchen. Denn wenn ich z.B. anfangs nicht so oft mit den anderen Deutschen zusammengehockt hätte, wäre es mir leichter gefallen, französische Kontakte zu knüpfen. Aus Fehlern lernt man eben.
jasminjuergensen@web.de
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