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Ein seltsames Erlebnis eines Frankreichaufenhalts
Ich hatte mir gewünscht, dass ich in eine Stadt und in eine Schule und in eine Familie komme, wo ich Fuss fassen würde, mich integrieren und so richtig zu Hause fühlen würde. Aber dies ist die eher seltene Geschichte eines Frankreichaufenthalts, der durch eine Begegnung schon im ersten Monat beeinflusst wurde.
Eine Begegnung mit zwei Jungs mit denen ich mich sehr gut verstand, so gut, wie ich mich noch nie mit Jungs verstanden hatte. Als ich nach dem ersten Monat das MJC verlassen musste, war ich deshalb sehr traurig und schrieb mir auch während der ersten Zeit in der Familie, in der es aus verschiedenen Gründen nicht so gut lief, viele E-mails mit ihnen.
Und auch der Schulanfang und all die neuen Leute in der Klasse konnten mich nicht davon abhalten, sie furchtbar zu vermissen. Das klingt vielleicht etwas seltsam, und ich weiss auch im Nachhinein nicht, ob das wirklich so gut war. Ich fing zwar an, die Leute aus meiner Klasse kennen zu lernen, aber im Grunde hatte ich die ganze Zeit im Hinterkopf, dass ich eigentlich lieber mit meinen Freunden zusammen wäre als zu versuchen, einen schwierigen neuen Anfang zu starten
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Bis sich die Gelegenheit ergab, in den Ferien eine Woche mit ihnen zu verbringen.Wie das so ist, diese Wochen, auf die man sich so freut, sind immer viel zu kurz, und ich hatte überhaupt keine Lust, nach Narbonne zurückzufahren und wieder in die Schule zugehen, die ich sehr unsympathisch fand. Ich hatte schon seit langer Zeit aufgegeben, die Hausaufgaben zu machen.
Mit einem Mädchen aus meiner Klasse fing ich langsam an, mich richtig gut anzufreunden, nur dass sie manchmal ein wenig auswich, weil auch sie neu in der Klasse war und Angst hatte, zuviel mit mir zu machen und später keine Freunde zu finden. Die anderen Mädchen waren zwar nett, aber etwas oberflächlich. Ich hörte oft, dass das am Süden läge.
Eine Woche später wechselte ich die Gastfamilie, weil ich ernsthafte Probleme mit meiner Gastschwester bekommen hatte, die mich aus irgendwelchen Gründen nicht mochte und die Situation nur noch schlimmer wurde. Dazu muss ich sagen, dass es eigentlich vorgesehen war, dass sie aufs Internat ging, was letzten Endes nicht geklappt hat. Und abgesehen von dem Mädchen gab es nur die Mutter, die mich auch nicht vor ihrer Tochter schützen konnte.
In der neuen Gastfamilie lief es gut, doch es fiel mir schwer, mich zu integrieren, denn ich sprach nicht viel, auch weil ich nicht von all dem erzählen mochte, was wichtig für mich war, einfach, um ihnen nicht das Gefühl zu geben, sie seien unwichtig für mich.
Um Weihnachten herum lief es sogar sehr gut in meiner Gastfamilie und auch sehr gut mit der Freundin in meiner Klasse, und auch die Sprache war nun schon lange kein Hindernis mehr, doch ich wartete wie eine Verrückte darauf, endlich in den Zug steigen und zu meinen Freunden fahren zu können, mit denen ich Silvester feiern würde.
Und als ich dann zurückkam, ging es mir richtig furchtbar, weil ich noch mehr in ihrer Welt lebte als in meiner eigenen und auch so traurig war, dass ich sogar langsam darauf zu warten begann, wieder nach Hause fahren zu können. Insgesamt dachte ich also immer an ein gewisses Erlebnis in der Zukunft, und das hat mir nicht richtig die Gelegenheit gegeben, mich hier wohlzufûhlen. Oder vielleicht habe ich mir selbst auch die Möglichkeiten verwehrt, aber in dem jeweiligen Moment war es immer sehr schwer, sich zur Vernunft zu rufen und anders zu handeln.
Trotz dieses etwas seltsamen Erlebnisses eines Frankreichaufenthalts war es eine sehr wichtige Erfahrung fûr mich, aus der ich sicherlich auch eine Menge gelernt habe, und ich würde sie nicht eintauschen wollen. Am glücklichsten bin ich über die Fortschritte, die ich in der Sprache gemacht habe, weil ich wirklich das Gefühl habe, dass diese sechs Monate in dem Punkt sehr lehrreich für mich waren.
e_ss@gmx.de BACK