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Vittoria
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Ich heisse Vittoria Poma und wohnte während meines Auslandsjahres in Südfrankreich in Vinassan, einem kleinen, 1,6 km von Narbonne entfernten Dorf. Bevor ich losgefahren bin, hatte ich ziemlich viel Angst. Angst davor, allein zu sein, in ein Land zu gehen, mit dessen Kultur man nicht vertraut ist, vorallem aber von seiner Familie und Freunden lange Zeit getrennt zu sein. Andererseits denkt man sich, dass man endlich zeigen kann, erwachsen geworden zu sein, selbstständig auf eigenen Füssen stehen zu können. Im ersten Monat wohnten alle Teilnehmer bei Roudel im MJC (Maison de la Jeunesse et de la Culture) in Carcassonne. Wir hatten uns unsere Praktikumsplätze ausgesucht und haben dort dann drei Wochen gearbeitet. Da ich mich für Tiere interessiere, habe ich mein Praktikum in einem Vogelpark gemacht. Es war das beste und spannendste Praktikum, das ich je gemacht habe. Der Vogelpark ist auf einem Hügel in der Nähe der "Cité médiévale de Carcassonne" gelegen. Es ist ein riesiger Park mit ca. 60 Volieren mit vielen verschidenen Vogelarten, die fast alle bei einer Show mitmachen, welche 4 mal am Tag stattfindet. Z.B. gibt es Marabous aus Afrika, Storche, Geier, Kondore aus der Sahara, Steinadler, Weisskopfadler, alle moeglichen Sorten von Papagaien, und Falken, sogar Kokabura aus Australien, zwei lustige Kakadus, die Musik machen und die Leute beim Vorbeigehen beschimpfen. Dort werden aber nicht nur Shows veranstaltet, die Tiere werden dort auch gezüchtet und dann z.B nach Dubai an Scheichs verkauft. Ich weiss ja nicht, ob einer von euch Gladiator geguckt hat, aber die kreisenden Geier aus dem Film durfte ich füttern. In der ersten Woche musste ich hauptsächlich die Nahrung vorbereiten. Das ist nichts für schwache Nerven, denn man musste die toten gekühlten Küken mit einem bestimmten Griff in die Hand nehmen und dann die Beine abreissen und einmal in der Mitte durchschneiden. Naja, der bestimmte Griff ist wichtig, aber beim ersten Mal hat mir das keiner von den Mitarbeitern erklärt und ich ziehe total angewiedert an einem Beinchen und das Küken explodiert in meinen Händen und ich hatte überall Eingeweide in meinen Haaren und Gesicht. Aber grosse Vögel müssen auch essen. Die letzten beiden Wochen waren viel besser. Ich durfte bei der Show mitmachen, die in der Mitte des Vogelparks stattfindet. Zwischen zwei 7 Meter hohen Türmen sitzen die Zuschauer, und über ihnen fliegen die Vögel ganz knapp über ihren Köpfen hin und her. Dann wurde mir eben ein Lederhandschuh in die Hand gedrückt und eine Tasche mit Kükenbeinen und Hühnerhalsstücke. Erst wurde mir gezeigt, wie ich die Volieren während der Show aufmachen musste und dann die Geier rauslocken musste, ohne dass sie sich gleich auf einen stürzen, weil sie was zu fressen riechen. Als ich das dann konnte, durfte ich bei der Show mitmachen. Mein Pate hat mir gezeigt, wie ich die Geier rufen musste und auf dem Handschuh landen lasse. Beim ersten Mal bin ich fast rücklings vom Turm gefallen, weil dieser Vogel ca. 10 Kilo wog. Aber dann ging's. Mit den Marabous musste man mehr aufpassen und immer geduckt bleiben, weil sie gerne mal nach einem schnappen, um Futter zu reklamieren. Mit dem Adler zu arbeiten wurde mir aber strengstens untersagt, weil er zu aggressiv war. Die Falken waren im Gegensatz sehr gut dressiert. Es war einfach eine unglaubliche Erfahrung, denn alle Leute schauen einem zu und man wird bewundert. Die meiste Arbeit machen eigentlich die Vögel. Es ist ein unbeschreibliches Bild, wenn die Geier z.B aus einer Höhe von 300 m stürzen und wie ein Fallschirmspringer die Flügel halten und auf dem Handschuh landen, um sich ihre Belohnung abzuhohlen Lustig war es auch, als wir manchmal in die "Cité médiévale" mit einem Uhu und einem schwarzen Milan gefahren sind, um Werbung für den Park zu machen. Alle Leute standen um uns herum und ich durfte diesen riesigen Uhu tragen, der 3 Kilo wog. Es ist zwar nicht viel, aber wenn man das 7 Stunden immer auf der gleichen Hand tragen muss, kann man am Ende seine Finger nicht mehr bewegen. Dieser Uhu war so was von lieb, dass man ihn richtig knudeln konnte und er knaberte immer ganz lieb am Ohr. Wenn er seine Flügel ausbreitete, haute er fast alle Leute, die um uns herum standen, um, denn seine Flügelspannweite betrug ca 2 m. Ich würde mich freuen, wenn eine/r aus der nächsten Gruppe auch in der "Cité des oiseaux" sein Praktikum machen würde, denn es war eine WAHNSINNIGE Erfahrung. Naja das war's erstmal von meinem Praktikum. Eigentlich bin ich ja überhaupt nicht so ein Mensch, der oft Heimweh bekommt, aber wenn man ganz allein irgendwo ist, fängt man an, nachzudenken. Ich bin in Angola /Afrika geboren und habe dort 10 Jahre gelebt. Mein Vater ist Italiener und meine Mutter Deutsche. Das macht mir sehr zu schaffen, denn während der sechs Monate habe ich mich immer gefragt : Wer bin ich und wo komme ich her?????? Man kann sagen, dass ich das Problem habe, meine wahre Identität zu finden. Ich habe immer noch keine Ahnung, was ich bin!!!! Ich hoffe, dass ich das bald wissen werde. Nur wenn man diese Probleme hat und dann auch noch Heimweh hat und die Eltern gerade in Afrika sind und man nicht mal eben hinfahren kann, hat man ein Problem. Aber man kann alles lösen. Ich habe angefangen, mich so gut wie möglich abzulenken und bin dann auch während Weihnachten nach Hamburg gefahren. Das hat mir gut getan, aber meine Mutter konnte leider nicht kommen, denn einer musste in Angola bleiben. Naja, aber es war trotzdem schön, denn man hat viele Kleinigkeiten vermisst wie z.B. die Hühnersuppe, die von der Mutter gemacht wird, wenn man krank ist und die gute Nachtküsschen, obwohl man immer gesagt hat, dass man das nicht mehr möchte, weil man schon erwachsen ist. Nun ich habe mich jetzt entschlossen, noch sechs Monate länger zu bleiben, obwohl ich Heimweh habe. Ich habe mir gesagt, dass ich das schon schaffen werde und ich unbedingt versuchen möchte, die Abiklausuren im Juni zu machen. Man hat nur einmal die Chance auszuprobieren, wie so etwas abläuft. Es hat keine Konsequenzen, wenn es nicht gut wird. Es war die schönste Zeit meines Lebens, manchmal ein bisschen schwer aber meine Familie und meine neuen und alten Freundschaften haben mich so viel unterstützt wie es nur ging und das werde ich nie vergessen. Ich hoffe zumindest, dass ihr euch dazu entschließt auch ins Ausland zu gehen, denn das ist eine Erfahrung, die man nie vergessen wird und auf die man immer darauf zurückgreifen kann. Ob ihr bereit dafür seid, könnt ihr ja bei unserem selbstgemachten Psychotest ausprobieren... Ich wünsche euch viel Spass Eure VITTORIA |