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TANJA
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Ich bin froh, dass ich den ersten Monat mit den Anderen in Carcassonne verbrachte. Es war eine schöne Zeit, in der wir viel miteinander unternommen haben und sehr viel Spaß hatten. Vor allem aber hat es den Einstieg sehr erleichtert. Man half sich gegenseitig aus und entdeckte gemeinsam das Land und die Kultur. Bei Problemen hat man immer einen Ansprechpartner. Gut fand ich auch, ein Wochenende bei meiner Gastfamilie verbracht zu haben und danach zu den anderen zurück zu gehen. So konnte man die neuen Erlebnisse mit den anderen teilen und vergleichen. Als ich dann endgültig zu der Familie zog, war das Gefühl schon komisch. Ich lebte in einem kleinen Dorf in der Nähe einer kleinen Stadt, was sich von dem HH-1,8-Millionen-Einwohner-Großstadtleben doch etwas abhob! Zwar gab es keine Kühe und Schweine, aber auch keine Läden und Busse in der Stadt. Nur den Schulbus morgens und abends. Doch viel wichtiger war erst einmal meine Family; Mutter, Vater und drei Söhne, von denen zwei schon ausgezogen waren und der letzte drei Jahre jünger war als ich. Alle verstanden sich wirklich gut. Sie waren sehr offen und im Großen und Ganzen kann ich sagen, dass ich gerne dort gelebt habe. Manchmal gab es halt das natürliche Familienkaos. So wie überall. Ich hatte auch nicht das Gefühl eingeengt zu sein. Ganz im Gegenteil. Ich genoss fast die gleiche Freiheit, die ich auch von meinen Eltern gewohnt bin. Das größte Problem war für mich einfach dieses Kleinstadtleben. Ich frage ungern darum, irgendwohin gefahren zu werden. Man muss damit aufgewachsen sein. Ich bin es nicht. Doch auch das löste ich, da mein Freundeskreis schon etwas älter war und schon den Führerschein hatte. So bot sich die Möglichkeit, unabhängig von meinen G-Eltern, auch mal ein bisschen raus zu kommen. Mit der Zeit erkennt man, dass sich das Leben hier auch viel Außerhalb abspielt. In HH hat man es ja nicht unbedingt nötig gleich die Stadt zu verlassen um einen schönen Abend zu verbringen! Anders war ich hier zum Beispiel auf kleinen Konzerten in den Nachbarstädten. Dort spielte dann der Freund eines Freundes usw. Freunde fand ich natürlich auch in der Schule. Das war aber nicht ganz so leicht. Am Anfang wusste nämlich niemand wer ich bin. Auch nicht einmal die Lehrer. Doch als ich das geklärt hatte und man mir das System und meinen Stundenplan erklärte, konnte es nur noch besser werden. Abgesehen vom Kantinenessen, wovon ich jetzt aber lieber nicht erzähle. Da ich den litterarischen Unterricht wählte, hatte ich viele Freistunden, in denen mir die Schule und die Umgebung gezeigt wurden. Da ich, so viele andere, nicht zwischen den Stunden nach Hause gehen konnte, weil ich nicht in der Stadt wohnte, war man automatisch mit denen zusammen die man kennt und die auch blieben. Man findet also schnell Kontakt, wenn man bereit dazu ist. Sprachlich gesehen kann ich sagen, wirklich zufrieden zu sein! Ohne zu behaupten, Perfektion erreicht zu haben, denke ich nicht mehr so viel darüber nach, wenn ich rede. Erst wollte ich Französisch abwählen; kam einfach nicht klar mit dieser Sprache. Doch nach etwa drei Monaten Frankreich viel mir plötzlich auf, dass ich spreche und verstehe! Und nach sechs kann ich sagen, dass ich es sogar gerne spreche. Schriftlich verbesserte es sich ohne dass ich es merkte. Fehler mache ich, aber ich glaube den geheimen französischen Code geknackt zu haben, von dem ich vorher noch nicht einmal die erste Ziffer kannte. |