Mareike

Ich bin Mareike und habe 6 Monate in Frankreich bei Familie Antolin in Palaja in der nähe von Carcassonne gewohnt. Wie ich darauf gekommen bin? Ich wollte ins Ausland, aber nicht in die USA oder sonst welche englischsprachigen Länder, weil da ja jeder hingeht und ich ausserdem schon gut Englisch sprach und eine andere Sprache als alle anderen lernen wollte... also habe ich meine Französischlehrerin nach Prospekten für Frankreich-Aufenthalte gefragt und habe darunter den von Roudel gefunden.

Das Programm sagte mir und meinen Eltern zu, es war das beste und zugleich günstigste, das wir gefunden haben. Also traf ich nach einer schlaflosen Nacht am 29. juli 2004 die anderen Mädels (und Jungs) am Hamburger Flughafen an. Wir flogen von Hamburg über München nach Toulouse, wo wir in glühender Hitze ankamen (35°C im Schatten, mit praller Sonne). Da hatten wir nun den Sommer, den wir in Hamburg versäumt hatten! In der ersten Woche haben wir einen so genannten "Intensivkurs" gemacht, der aber nicht sehr intensiv war, da es in der Hitze kaum möglich war zu arbeiten oder sonst irgendwas zu machen. Unglücklicherweise konnten wir auch fast nicht in unserem Zimmer schlafen, da wir eins erwischt hatten, wo das Fenster nicht aufging und daher die temperatur konstant bei 40°C blieb. So kam es, dass wir einige Nächte auf dem Balkon verbracht haben, mit wolldecken auf dem steinfussboden...

Nach dieser Woche bin ich, im Gegensatz zu den anderen, zu meiner Gastfamilie gezogen, da mein Praktikum im Supermarkt von Palaja war. Zu diesem Praktikum gibt es nicht sehr viel zu sagen, da ich nur zwei Tage in 3 wochen da war, und nur vormittags, da durfte ich dann Regale einräumen, was angesichts meiner Statur (kein Muskel am körper) harte körperliche Arbeit war. Das hat dann wohl auch meine Chefin gemerkt und hat erkannt, dass sie mich eigentlich nicht gebrauchen kann und hat mich dann nicht mehr kommen lassen. Natürlich war ich froh, dass ich noch 3 Wochen Ferien machen konnte, aber andererseits hätte ich mir von dem Praktikum mehr erwartet, z.B. Leute kennenzulernen, etwas über einen Beruf zu erfahren usw... Jedenfalls konnte ich in den 3 Wochen, die ich zuhause verbracht habe, meine Gastfamilie kennen lernen: Meine Gasteltern Marie und Claude, meinen Gastbruder Julien (17, inzwischen 18) und seine 3 grossen Schwestern Sabine(23), Candy(25) und Laetitia(27), die alle 3 nicht mehr zuhause wohnen. Candy ist Polizistin und wohnt bei Pau im Baskenland, Laetitia ist vor etwa einem Jahr Mutter geworden und wohnt in Nîmes, Sabine macht im Augenblick gar nichts und wohnt in Carcassonne, daher hatte ich mit ihr den meisten Kontakt. Sie hat mich oft am Wochenende mit in die Diskos genommen.

Am 2. September war dann Schulanfang. Ich kam mir ziemlich verloren vor, am ersten Schultag, allein als Ausländerin unter Unbekanntn, habe aber schnell Kontakte mit Klassenkameraden geschlossen und habe ziemlich schnell enge Freunde innerhalb der Klasse gefunden. Ich war in der 1L, wobei das L für "litteraire" steht, d.h. dass wir etwa 7 stunden Französisch in der Woche hatten. Das war natürlich nicht leicht für mich, da sie alte französische Literatur behandelten, wo ich wegen der vielen alten Ausdrücke so gut wie nichts verstanden habe. Wir haben Voltaire, Diderot, Baudelaire und andere grosse französische Autoren behandelt - schade dass ich nicht besonders viel verstanden habe, denn es wäre sicher interessant gewesen. In Geschichte-Erdkunde habe ich etwas mehr mitgekriegt, wenn auch nicht wirklich sehr viel, wie in den meissten anderen Fächern ausser Englisch und Mathe. Da die Franzosen in Englisch ein niedriges Niveau haben, hatte ich immer zwischen 17 und 19 punkten von 20. Es ist im Allgemeinen eine Katastrophe, wenn Franzosen versuchen, Englisch zu sprechen - ich denke dabei nur mal an den Akzent meiner Englischlehrerin...! In Mathe haben wir eine ganze Weile Prozentrechnung gemacht, Niveau 6. Klasse...

Im grossen und ganzen haben sich die Lehrer nicht sonderlich um mich gekümmert, mein Zeugnis war nicht sehr überzeugend, aber ich hatte immerhin etwas über 10 punkte, was reicht, um versetzt zu werden. Nochmal zurück zu den Freundschaften. Ich habe während meiner Zeit hier eine Menge enge Freundschaften geschlossen, habe tolle Wochenenden in Diskotheken mit Freunden, meinem Gastbruder und Gastschwester verbracht, viele Wochenenden bei meinem Freund in den Bergen... Ich habe in kurzer Zeit eine Menge tolle Leute kennengelernt, mit denen ich sicherlich auch später, wenn ich in zurück in Deutschland bin, noch den Kontakt halten werde, aber ich habe erstmal meinen Aufenthalt noch 6 Monate verlängert. Ich habe das Gefühl, hier noch nicht fertig zu sein und nicht genug Fortschritte in Französisch gemacht zu haben... D.h. ich habe in 6 monaten eine Menge Fortschritte gemacht, aber um richtig perfekt Französisch zu sprechen, so dass es mir auch im Beruf viel bringen kann, brauche ich noch mehr Vokabular, das ich mir in den folgenden 6 Monaten erarbeiten werde. Ausserdem will ich meine ganzen neuen Freunde, Bekanntschaften und meinen Freund nicht jetzt schon verlassen, ich habe das Gefühl, dass ich hier noch etwas zu tun habe und meine Mission noch nicht beendet ist...

In jedem Fall habe ich während dieses Aufenthaltes viel fürs Leben gelernt... Ich habe Philosophie gemacht - mit einigen habe ich stundenlang philosophische Gespräche geführt und habe viele Leute kennengelernt, die die gleichen Ansichten teilen wie ich. Ich habe meine Umgebung verlassen und mich in eine andere begeben, was in jedem Fall ein tolles Erlebnis ist und ich nur jedem empfehlen kann, der überlegt, ins Ausland zu gehen. Egal, wohin ins Ausland - es wird, denke ich, immer ein tolles Erlebnis sein.

Zurück zur Hauptseite