Wally      Wally

Also erstmal Tach an alle, die sich hier eingeloggt haben um zu lesen was für ein Abenteuer 9 tolle Hamburger und 2 etwas gewöhnungsbedürftige Kölner erlebt haben. Also zu Anfang ist zu sagen, dass wir nur einen Jungen hatten und der, der absolute Hahn im Korb war. So und jetzt zu mir :
Ich heisse Wally und komme aus Hamburg. Ich war 16 als ich mich auf dieses 6 Monate lange Abenteuer eingelassen habe und ich habe es seitdem keine Sekunde bereut.
Vorher war Französisch "sone" Gelehrtensprache, die ich eh niemals erreichen würde zu sprechen, aber das hat sich jetzt geändert. Perfekt französisch zu sprechen war nie mein Ziel, aber ich wollte wenigstens mit anderen reden können. Ausserdem war der Gedanke für 6 Monate mit südlicher Sommersommerwärme zu leben auch nicht gerade abschreckend.
(Da habe ich mich allerdings stark geirrt, für 2 Monate war es wirklich sehr schön aber der Winter kommt hier genauso wie bei uns im Hamburger Norden. (Im Klartext : Ich habe mir im Sonnigensüden den Ar*** abgefroren)

So jetzt wisst ihr schon n paar Sachen also lege ich mal richtig los...

Gelebt habe ich in der Nähe von Castelnaudary. Castelnaudary ist zwar eine schöne aber leider eine sehr kleine Stadt, so dass wir in den Freistunden eigentlich nichts tun konnten ausser in ein Café zu gehen, oder in der Schule zu bleiben und e-mails zu lesen. Das Lesen gab nur leider immer Stress mit dem Personal in der Schule, weil wir die Computer die ganze Zeit besetzt haben.

Vorbereitung

Die ersten 10 Tage (d.h. ab 30 August) haben wir mit der Organisation in Carcassonne, im MJC verbracht. Wir haben einen kleinen Wiederholungskurs in Grammatik gemacht der aber (glücklicherweise) nicht wie Schule war, sondern witzig und ohne Zwang in der Gruppe, da es keine Noten gab. Wir waren reiten und sind, unter anderem, 3 Tage ans Meer gefahren. Die Gruppe ist superschnell zusammengewachsen und ich habe alle sehr lieb gewonnen. Schade war es, als wir dann in die Familien gegangen sind, die ja in der ganzen Region verteilt sind, aber durch die Treffen während den 6 Monaten sind wir in Kontakt geblieben und haben unsere Erlebnisse ausgetauscht.

Das Praktikum

Mein Praktikum habe ich bei einer Familie verbracht, die 9 Esel hatte und gerade mit Chambres d'hôtes angefangen hatte. Dort habe ich die Gäste mit Frühstück bedient, die Zimmer geputzt und die Esel jeden Abend um 17h gefüttert. Um das zu tun bin ich mit einem Quad zur Scheune gefahren und habe das Heu und das Stroh an die Esel verteilt.
Diese Erfahrung war super, da ich dort 3 Wochen lang nur auf französisch geredet habe, weil ich mit ihnen gelebt habe und nicht wie die anderen jeden abend ins MJC zurück gekehrt bin. Das wäre gar nicht möglich gewesen, weil ich einfach zu weit weg gewohnt habe, in der Montagne noire.
Glücklicherweise hatte meine Familie 2 Kinder gehabt mit denen ich ich viel geredet habe und so habe ich wieder mal mein französisch verbessert. Mit der Familie habe ich auch immernoch Kontakt und werde den wohl auch halten.

Die Familie

Ich war 5 Monate bei meiner Familie und ich habe sie sehr in mein Herz geschlossen. Das Leben, was ich dort erlebt habe war ein ganz anderes Leben als ich bis dahin erlebt hatte. Die Familie lebt auf einem richtigen Bauernhof mit Kühen und Pferden. Da ich als Stadtkind doch anderes gewöhnt war, waren es tolle Erfahrungen, die ich niemals vergessen werde. Zu meiner Familie gehören die Eltern , 2 Schwestern und ein Bruder, die Schwestern haben etwa mein Alter gehabt also 16 und der Bruder war 20. Mit meiner Familie habe ich sehr viel gemacht, d.h . ich habe auf dem Hof mit geholfen, wir sind mehrfach auf Feste und Essen gegangen und ich bin an den Wochenenden mit meinen Geschwistern weggegangen.
Das Leben in der französischen Familie war ein ganz anderes als das Leben in meiner deutschen Familie, in Frankreich hatte ich Geschwister und die Rolle der Eltern war eine ganz andere . Besonders die Rolle des Vaters war ungewohnt für mich, weil er der absolute Chef war, aber das war kein Punkt, der mich besonders berührt hat. In meinem Haus gab es leider keine Heizung sondern nur einen Kamin in der Mitte des Hauses, nach so einer Erfahrung lernt man die Zentralheizungen zu schätzen ! In der Zeit bei der Familie habe ich ca 5 Kg zugenommen, da die Franzosen 2 mal am Tag warm essen, also nehmt euch alle Trainings oder Strechhosen mit !

Schule

Der Unterricht in der Schule war teielweise leider ein bisschen zu schwer und ich habe in einigen Fächern nichts gemacht, sondern nur zugehört und zeitweise Tagebuch geschrieben. Die Lehrer haben oft 2 Std durchgängig geredet und ich konnte mich auf so lange Zeit nciht auf die Sprache konzentrieren.
Die Schüler in der Schule waren alle sehr nett. Mir ist besonders aufgefallen, dass in der Schule alle Arten von Kleidungsstilen sind d.h., dass viele für meinen Geschmack vielleicht etwas zu konventionell angezogen waren. Die Toleranz in Sachen Klamotten war an meiner Schule bemerkenswert, es gab jeden Stil zu finden und vergleichsweise wenige Gruppen. Nett waren sie alle und ich habe mich sehr schnell aufgenommen gefühlt.

Résumé

Alles in allem fand ich diese Erfahrung absolut super und ich würde sie jeder Zeit wieder erleben wollen. Ich kann Allen nur dazu raten, sich in dieses Abenteuer zu stürtzen, man lernt viel über das andere Land, die Leute und die Gewohnheiten.
Für alle, die Angst vor dieser langen Reise haben (6 Monate sind gar nicht so lang!), kann ich nur sagen : Traut euch und ihr werdet sehen ihr lernt neue Leute kennen und ihr bemerkt, dass ihr doch alle Französisch sprechen könnt !
Um ausserdem Mut zu machen : Ich war in der Schule vorher gar nicht gut in Französisch, ich lag immer im hinteren Drittel und jetzt...!?
... jetzt mag ich dieSprache sehr gerne und hoffe, dass ich sie nicht wieder verlerne!


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