Mareike      Mareike

Coucou! Ich bin Mareike, 16 Jahre alt und werde nun versuchen, euch das Wissenswerteste und Interessanteste von meinen 6 Monaten in Südfrankreich zu erzählen . Von dem Programm von ROUDEL mit Sprachkurs, Praktikum, Leben in einer Gastfamilie & Schulbesuch und Abschlussauswertung habe ich durch eine Broschüre erfahren, die mein Französischlehrer im Unterricht verteilt hat. Mir hat es sehr gut gefallen, dass der Aufenthalt nur 6 statt der üblichen 10 Monate dauert und dass das Programm aus mehreren Phasen zum Eingewöhnen besteht, dazu liebe ich auch die französische Sprache. Deshalb habe ich nähere Informationen angefordert und nach dem Infoabend am Anfang des Jahres 2003, der meine Entscheidung nach Frankreich zu gehen nur noch bestärkt hat, ging die Zeit bis zum Sommer und dem Abflugstag super schnell vorbei. Ich war sehr traurig mein Zuhause für so lange Zeit zu verlassen, ziemlich aufgeregt wegen einer Reise ins Unbekannte, aber auch sehr gespannt auf das, was ich Neues erleben würde.

Während des ganzen Augusts, des ersten Monats hier, habe ich mit neun anderen Hamburgern, zwei Kölnerinnen und zwei Betreuerinnen von ROUDEL in Carcassonne im MJC, einer Art Jugendherberge, gewohnt. Die ersten anderthalb Wochen waren wie Urlaub für uns: Wir hatten morgens ein paar Stunden Sprachkurs, in dem noch einmal die wichtigsten Grundlagen aufgefrischt wurden und nachmittags wurde uns ein vielfältiges Unternehmungsprogramm mit Tropfsteinhöhlenbesichtgung, Reiten, Surfen, Baden im Mittelmeer geboten. Petrus meinte es in dieser Zeit schon etwas zu gut mit uns, er berscherte uns eine Affenhitze mit locker 40 Grad C im Schatten. Auf diese schöne Zeit folgte ein dreiwöchiges Praktikum für alle Teilnehmer. Für mich hiess das die Arbeit in einer Kinderkrippe, die mir gut gefallen hat vor allem wegen der vielen süssen kleinen Kinder. In der Sprache habe ich dort auch schon Fortschritte gemacht, doch ich denke, in einem Hotel oder Restaurant wird man in diesem Bereich mehr gefordert.

Der erste Monat war eine sehr gute Eingewöhnungsphase, in der ich mit der genialen Gruppe super viel Spass hatte und ich mich schon ein bisschen auf das französische Gastfamilienleben einstellen konnte, bevor ich dann zur Familie Payraud zog.

Meine Gastfamilie war ursprünglich vierköpfig mit meiner Gastmutter Christine, meinem Gastvater Stéphane, meiner gleichaltrigen Gastschwester Jessy und meinem 12-jährigen Gastbruder Jérôme. Doch nach einem Monat sind noch eine meiner beiden grossen Gastschwestern Jenny und ihr Freund Jean-François zu uns gezogen, sodass wir also zu siebt plus eines kleinen schwarzen geliebten Kaninchens unter einem Dach wohnten. Von meiner Gastfamilie bin ich wie ein richtiges Familienmitglied aufgenommen worden, mit allen dazugehörigen Rechten und Pflichten. Ich habe mich bei ihnen sehr geborgen und wie in meinem zweiten Zuhause gefühlt. Meine Gastmutter ist eine sehr starke Persönlichkeit, diejenige die in dieser Familie die Hosen an hat und kümmerte sich immer sehr mütterlich und fürsorglich um mich. Sie kommt aus der Guadeloupe, kann sehr gut kochen und hat mir daher mehrere exotischere Speisen aufgetischt, als die, die ich aus Deutschland gewohnt bin. Der Beweis dafür, dass es mir wirklich gut geschmeckt hat, sind drei Kilo, die ich nun mehr auf die Waage bringe. Mein Gastvater ist sehr schüchtern und redet nicht viel, daher konnte ich keine richtige Beziehung zu ihm aufbauen. Im Gegensatz dazu habe ich mich mit meinen Gastgeschwistern sowie mit meiner Gastmutter auch echt prima verstanden und sie super lieb gewonnen. Vor allem zu meiner gleichaltrigen Gastschwester hatte ich eine eine sehr enge Verbindung. Eine Umstellung für mich war in dieser Familie, dass beide Elternteile berufstätig waren und sie beide sehr unregelmässige Arbeitszeiten hatten. Dadurch fand kaum ein gemeinsames Familienleben statt und das tägliche gemeinsame Abendessen war die einzige Gelegenheit, an der sich die ganze Familie in der Küche zum Essen und Berichten des Erlebten aus Schule und Arbeitsstelle versammelte. Dort wurde stets lebhaft erzählt und herzlich gelacht.

Unser grosses Haus steht in Sigean, einem 4000-Seelen-Dorf, das 15 km südlich von Narbonne gelegen ist. Anfangs im Sommer war ich sehr entzückt von diesem Städtchen. Mal eine Abwechslung zu meinem Grossstadtleben in Hamburg, dachte ich mir, doch im Winter ist dort nichts los, die Fahrzeiten des Buses nach Narbonne, wo ich alle meine Freunde hatte, waren sehr unglücklich und selten gelegen. Meine Gasteltern waren oft zu beschäftigt, um mich nach Narbonne zu fahren und ausserdem war meine Gastmutter immer sehr ängstlich, wenn ich etwas in der wenigen Freizeit, die man durch die Ganztagesschule nur hatte, unternehmen wollte. Daher fühlte ich mich etwas isoliert, habe aber dadurch auch meine Unabhängikeit in Deutschland zu schätzen gelernt.

Ich war mit Lena und Maike, zwei anderen Teilnehmerinnen von ROUDEL, auf der selben Schule in Narbonne, dem Lycée Diderot, aber in einer anderen Klasse als die beiden. In der Anfangsphase war ich sehr froh, nicht auf mich ganz allein gestellt gewesen zu sein und habe viel Zeit mit den zwei deutschen Mädels verbracht, was mir die Integrierung in die Klasse etwas erschwert hat und einen kleinen negativen Einfluss auf meine Sprachfortschritte hatte, weil es natürlich viel schneller geht untereinander auf deutsch anstatt auf französisch zu sprechen. Doch mit der Zeit habe ich mich sehr gut mit einer Clique aus meiner Klasse angefreundet und verstanden. Richtig tiefgründige Freundschaften habe ich nicht schliessen können, denn dazu brauche ich persönlich mehr Zeit als fünf Monate, aber ich habe ein paar Freunde kennengelernt, mit denen ich auf jeden Fall in Kontakt bleiben werde.

Die französische Schule unterscheidet sich wirklich sehr von der Deutschen. Nicht nur, dass man den ganzen Tag dort verbringen muss und in der Schulkantine Mittag isst, sondern auch die französischen Unterrichtsmethoden waren neu für mich. Die Schüler schreiben immer alles mit, was der Lehrer während der ganzen Stunde erzählt und diktiert, es werden viel mehr Klassenarbeiten geschrieben (pro Trimester genau so viele wie wir Deutschen in einem Semester schreiben) und die mündliche Mitarbeit hat überhaupt keinen Einfluss auf die Zeugnisnoten. Die Schule war sehr anstrengend und wenn ich abends auch noch regelmässig alle meine Hausaufagben gemacht hätte, wäre es glaube ich echt zu viel gewesen. Doch weil meine Lehrer sehr verständnisvoll waren mit mir waren, habe ich mich nur in Mathe, Deutsch und Englisch ernsthaft mitgearbeitet.

Zum Abschluss kann ich sagen, dass ich eine echt tolle Zeit in Südfrankreich verbracht habe. Ich bereue keinen Tag, nehme sehr viele positive und prägende Erfahrungen mit und bin in dieser Zeit selbstständiger und selbstbewusster geworden. Auf jeden Fall werde ich in den Ferien noch mal nach Narbonne und Sigean wiederkommen. Ausserdem habe ich sehr grosse Fortschritte in Französisch gemacht und fühlte mich immer gut von ROUDEL betreut. Es lohnt sich wirklich diesen Schritt zu wagen ins Ausland zu gehen!! Falls ihr noch irgendwelche Fragen habt, schreibt mir ruhig eine E-Mail an meine Adresse: mare.bind@web.de


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