Maike
Mein Name ist Maike, ich komme aus Hamburg und ich erzähle euch nun ein wenig von meinem Frankreichaufenthalt.
Es fing alles mit einem kleinen Aufenthalt mit 11 anderen Deutschen in Carcassonne an. 11 Mädchen, davon 2 Mädchen aus Köln, die aber keine Chance gegen uns hatten. Es gab einen einzigen Jungen aber es schien ihm ganz gut zu gehen mit uns in der Überzahl. 10 Tage lang haben wir einem Sprachkurs beigewohnt und waren alle zusammen am Strand. In dieser Zeit hatten wir noch relativ viel Freizeit und wir haben uns sehr gut in der Gruppe verstanden. Darauf folgend kam ein 3 wöchiges Praktikum, welches die meisten der Teilnehmer in Carcassonne verbrachten.
Ich arbeitete in einem kleinen Restaurant/Hotel. Es war sehr anstrengend, da ich unter der enormen Hitze litt. Mit meinem Boss verstand ich mich nicht ganz so gut, mit meinen Mitarbeitern umso besser. Die Zeit in Carcassonne hat wirklich unglaublich Spass gemacht, auch wenn ich zwischendurch ein paar Probleme mit der Regeleinhaltung hatte, hab es am Ende aber doch noch geschafft.
Während der Zeit in Carcassonne hatten wir schon die Möglichkeit unsere Gastfamilien kennenzulernen, wir waren 2 Wochenenden jeweils bei unserer Gastfamilie.
Meine Gasfamilie, die in Narbonne wohnte, kam mir sofort total sympatisch vor, meine Gastmutter war sehr aktiv und musste immer irgendwas machen, war aber auch sehr streng und leider ist das alles nicht so gut gelaufen wie es hätte sein sollen.
Nach diesen wundervollen 4 Wochen Carcassonne mussten wir uns von den anderen Deutschen verabschieden und fuhren inklusive Gastfamilie in unsere Dörfer/Städte um den Aufenthalt richtig zu beginnen. Ein wenig Zeit hatten wir noch bevor die Schule anfing und wir machten viel mit der Familie, fuhren an den Strand, besichtigten irgendwelche tolle Sachen etc. Der erste Schultag, ich hatte schon ziemlich Angst davor, aber total unberechtigt, da ich erstmal mit einer anderen Deutschen in der Klasse war, eine zweite noch in der parallelklasse und wie sich später rausstellte in unserer Klasse noch eine dritte Deutsche, die den Aufenthalt aber nicht mit ROUDEL organisiert hatte. Wir wurden glücklicherweise zu unserer Klasse geführt und standen dort nun ganz allein vor einem Klassenzimmer mit vielen, vielen Franzosen. Es schien auch keiner zu merken, dass wir keine Franzosen sind, da wir nicht redeten. Als dann unser Prof Principal kam, gingen wir zu ihm und stellten uns flüchtig als die beiden Deutschen vor und setzten uns an einen Tisch relativ weit hinten. Der Lehrer fing an zu reden und ich verstand so gut wie kein Wort, ich flüsterte meiner Freundin ein paar Sachen zu und darauf folgend drehten sich die beiden Mädchen vor uns um und fragten: "seid ihr keine franzosen ?" Erster Kontakt mit dem Unbekannten. Wir fingen eine kleine Konversation mit den beiden Mädchen an, die sich als total nett entpuppten. Zunächst hatten wir nicht so viel Kontakt mit den Schülern unserer Klasse, aber schon am 2 oder 3 Tag lernten wir andere Leute kennen, denn die Mentalität ist einfach eine Andere. Von Mädchen und auch von Jungen wurde ich angesprochen, mehr aber von Jungen. Es dauerte ca. 2 Wochen bis unser ganzes Lycée von 3000 Schülern uns beide als "Les Allemandes" kannte. Wir hatten ohne Übertreibung so eine unglaubliche Aufmerksamkeit wenn wir über den Schulhof liefen, das habe ich sehr genossen in diesen 6 Monaten.
Es gab aber auch Probleme mit den Mädchen, eifersüchtigen Mädchen, die völlig sinnlose und alberne Gerüchte in die Welt setzten. Das war aber eher ein amüsantes Detail des Aufenthaltes als ein Problem. Ich hatte relativ schnell ein merkwürdiges Image auf dieser Schule.
Aber die Schule war nicht so schlimm wie ich es mir vorstellte, man sah jeden Tag seine Freunde, das Essen in der Kantine war zwar total widerlich, aber auch total witzig, die Stunden waren teilweise sogar interessant und wenn man sich nicht mit den Lehrern anlegt (kleiner tip meinerseits) kann man eine schöne Zeit in der Schule verleben.
Aber bei Problemen in der Schule hatte man immer jemanden der einem helfen konnte, Klassenkameraden, Gastfamilie, freundliche Lehrer,etc. meine Noten in der Schule hatten nicht den erwünschten Erfolg, es ist wirklich sehr schwierig im Unterricht, in welchem man so gut wie nichts versteht, aufmerksam zu bleiben und alles mitzuschreiben,usw. mein erstes Trimester war also nicht der Hammer.
Meine derzeitige Gastmutter war von den Noten auch nicht allzu begeistert. Ich fand, dass es in der Familie relativ gut geklappt hat, ich war halt abends relativ müde, da ich Schule bis um 18 Uhr hatte, und ging relativ früh ins Bett. Ich weiss nicht, was meine Gastmutter von mir erwartet hat, aber auf jeden Fall was anderes, als ich ihr gegeben habe, denn sie meinte eines abends ich wäre zu kalt und ich hätte noch eine Woche, um mein Verhalten zu bessern, sonst würde sie mich nach Hause schicken. Ich war relativ enttäuscht, aber nicht traurig, ich dachte mir, mach ich halt das beste was ich kann. Die nächste Woche habe ich mich also total angestrengt, es lief auch eindeutig besser. Es war schon mehr als eine Woche vorbei, als ROUDEL mich anrief und mich fragte, ob meine Gastmutter mir denn schon gesagt hat, dass sie mich jetzt endgültig nach Hause schicken will. Nein, sie hatte es mir noch nicht gesagt. Ich ging zu ihr und fragte, ob die letzte Woche denn nicht nach ihren Vorstellungen abgelaufen sei. Sie sagte, es wäre perfekt gewesen, aber trotzdem, sie hatte einfach keine Lust mehr. Es lag auch ein wenig an meinen Noten. Ich bereitete mich also seelisch aufs nach Hause fahren vor. Ich hatte gerade ein paar Tage vorher einen neuen Freund gekriegt, und ich erzählte ihm von meinem Problem. Ich kannte ihn noch nicht besonders gut, aber er bot mir an, dass er ja seine Eltern fragen könnte, ob ich nicht für die restlichen 6 Wochen bei ihnen wohnen könnte. Ich hatte also eine Art Vorstellungsgespräch bei den Eltern meines Freundes und sie sagten ja! ROUDEL wurde informiert und kurz vor Weihnachten wechselte ich dann die Familie und verbrachte Weihnachten und die letzten Wochen bei dieser Familie. Perfekt lief es da aber auch nicht. Es ist normal, dass 2 Menschen, die sich nicht gut kennen, sich schnell auf die Nerven gehen, wenn sie mehrere Wochen 24 Stunden am Tag zusammen sind. In diesem Falle war es er, der mir auf die Nerven ging. Es klappte dann irgendwann nicht mehr und unsere Wege trennten sich, schade nur, dass er dann entschied, dass ich nach Deutschland gehen sollte. Mit ein wenig Überredungskunst durfte ich dann doch bleiben und die letzten Wochen mit ein paar Problemen verleben.
Insgesamt ist mir in Frankreich aufgefallen, auch wenn man es nicht denkt, es ist unglaublich kalt im Winter! Also für die Nächsten : Nehmt viele, warme Sachen mit!
Abgesehn davon ist mir aufgefallen, dass ca. 85 prozent der französischen Bevölkerung kifft. Das hört sich jetzt enorm an, ist es aber auch.
Und wenn man, wie ich, in einem kleinen Village (so klein war es gar nicht, aber trotzdem) wohnt, ist man ohne Auto total aufgeschmissen, abends kann man nicht weggehen und wenn man mal Freunde besuchen will, die ein wenig weiter weg wohnen, mindestens 40 minuten zu Fuss unterwegs. Das ist an sich gar nicht so schlecht, da die französische Nahrung bei den Deutschen irgendwie eine enorme Gewichtszunahme provoziert, die man doch gern wieder abbauen möchte. Ich habe 4 Kg zugenommen, aber das wurde noch getoppt. Da es hier im Winter wirklich so unglaublich kalt ist, sogar in den Häusern, da der Wind durch jedes Löchlein in die Zimmer schlüpft, sollte man sich eine Familie mit Fussbodenheizung aussuchen. Dieses Kriterium vergass ich aber anzugeben bei meiner Bewerbung. Und eine Sauna wäre auch nicht schlecht im Winter, man könnte den Gastbruder in seiner vollen Prächtigkeit bewundern.
Die Zeit in Carcassonne war dafür aber umso heisser, wir haben in dieser Zeit ca. 5 mal pro Tag kalt geduscht um nicht unter der starken Sonneneinstrahlung zu schmelzen.
Insgesamt ist Frankreich aber nicht so viel anders als Deutschland, die Franzosen sind einfach offener im Allgemeinen und die Eltern, Schule, Regeln strenger.
Ich würde so ein Auslandsjahr auf jeden Fall noch mal machen, würd mir aber mehr Mühe mit der Gastfamilie geben, da ich jetzt im Nachhinein gesehen habe, dass es alles viel besser gelaufen wäre, wenn ich mich ein bisschen mehr angestrengt hätte. Normalerweise wird in einem solchen Fall wie er bei mir war ja auch von der Organisation eine neue Familie gesucht, aber da ich schon für ein wenig Aufregung in den ersten vier Wochen gesorgt hatte, wurde mir schon gleich gesagt, dass ich bei dem nächsten Problem nach Hause fliege. Für Leute, die gerne einen solchen Auslandsaufenthalt praktizieren möchten nur ein kleiner Tipp : Reisst euch ein bisschen zusammen, auch wenn es dann nicht so viel Spass macht, aber besser, als später so einen Stress zu haben.
Was ich die ganze Zeit noch gar nicht erwähnt habe, sind die sprachlichen Dinge. Dies war ja eigentlich das wichtigste Ziel, welches ich mit diesem Aufenthalt angestrebt habe, jetzt im Nachhinein kommt es mir eher unwichtig vor, aber ja, ich habe Fortschritte gemacht. Zwar nicht genug, aber schon ein wenig, werd meine Noten ein schon verbessern können. Am Anfang hatte ich einige Probleme im Sprachlichen, aber jetzt zum Ende hin habe ich alles verstanden und konnte auch all meine Erlebnisse berichten, ohne ins grosse Stottern zu geraten. Ich hätte noch mehr Fortschritte machen können, wenn ich nicht mit meiner heissgeliebten Kölnerin Lena ununterbrochen die deutsche Sprache ausgeübt hätte.
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