Frankreich durch deutsche Augen


Schule :

Es gibt grosse Unterschiede zwischen dem französischen und deutschen Schulsystem. In Frankreich ist das Gymnasium getrennt in Collège und Lycée, dadurch sind fast nur Schüler im gleichen Alter in Frankreich zusammen auf der Schule. Im Lycée, wo ich war, gab es 1600 Schüler im Alter von 15 bis 19 Jahren. Das hat mir sehr gut gefallen, weil es keine Kleinen gibt, die einen die ganze Zeit nerven. Dafür hat man sehr viel länger Schule, manchmal bis um 18 Uhr. Das ist anstrengend, aber man wird ja im mündlichen nicht benotet, so dass man sich dort ab und zu mal ausruhen kann. Dadurch haben die Franzosen nicht sehr viel Freizeit, weil sie ja auch noch Hausaufgaben machen müssen, sogar am Wochenende sind sie viel beschäftigt und haben nicht sehr viel Zeit. Man isst in Frankreich auch in der Schule, wenn man nicht direkt neben der Schule wohnt. Das kann ein Vorteil, aber auch ein Nachteil sein, kommt darauf an, was man für essen gewöhnt ist und an was für eine Schulkantine man gerät.

Die Jugendlichen :

Die Jugendlichen in Frankreich sind überhaupt nicht wie die Jugendlichen in Deutschland. Es ist viel einfacher, die Bekanntschaft von den Leuten hier in Frankreich zu machen als in Deutschland. In der Schule zum Beispiel, haben Schüler mich angesprochen, die ich vorher noch nie in meinem Leben gesehen hatte und es sind Freundschaften daraus geworden. Die Franzosen sind viel weniger kalt als die Deutschen. Und die Franzosen sind toleranter. Man kann sehr merkwuürdige Kleidung tragen und kein Mensch sagt ein Wort. In Deutschland kann man ernsthafte Probleme bekommen, wenn man solche Kleidung trägt. Aber wenn man provokante Kleidung trägt, mini Röcke und einen großen Ausschnitt im Lycée zum Beispiel, kann man auch in Frankreich Probleme kriegen. Aber die Jugendlichen in Frankreich sind sehr abhängig von ihren Eltern. Es gibt viele Jugendliche in Deutschland, die im Alter von 16 Jahren ohne ihre Eltern leben könnten. Fuer einen Franzosen ist dieses unmöglich. Viele Franzosen kriegen nichts auf die Reihe ohne die Hilfe ihrer Eltern.
Ich weiss nicht, ob es in ganz Frankreich gleich ist, aber im Süden Frankreichs gibt es viele Leute, die schlecht hinter dem Rücken anderer sprechen. Aber mehr die Mädchen als die Jungs. Und die Jugendlichen in Frankreich sind viel gehorsamer als die Jugendlichen in Deutschland. Wenn die Jugendlichen ein Verbot kriegen, halten sie sich gewöhnlich auch daran, wogegen die Deutschen Jugendlichen eher machen was sie wollen, auch wenn sie hinterher Probleme kriegen können.
Familie/Eltern :
Der erste Eindruck in den französischen Familien ist für mich : die Eltern sind sehr streng. Besonders den Jugendlichen unseres Alters gegenüber. Es ist nicht in allen Familien gleich, aber die Eltern in Frankreich sind oft strenger als die Eltern in Deutschland. In Frankreich machen die Jugendlichen mehr mit ihren Eltern, sie gehen oft zu ihren Großeltern, gehen alle zusammen spazieren und sogar wenn die Mutter nur einkaufen geht, muss die ganze Familie mitkommen. Die Uhrzeiten um ins Bett zu gehen sind auch sehr ungewöhnlich, es ist selten, dass man eine Famille findet, wo man ins Bett gehen kann wann man möchte, so wie es oft in Deutschland ist. Und die Mahlzeiten sind sehr wichtig für die Familie, man isst immer zusammen, auch wenn man nicht viel Zeit hat isst man mindestens 45 minuten. In Deutschland isst man ab und zu nur 10 minuten und das ganz alleine, da ein Teil der Familie noch keinen Hunger hat und später essen will.
Aber mir ist die Herzlichkeit der Franzosen aufgefallen, die mir sehr gefällt. Die Leute in Frankreich sind nicht so kalt wie die Leute in Deutschland. Fast jeder ist freundlich mit Fremden.
Außerdem sind die Noten sehr wichtig für die Eltern. Natürlich ist es in Deutschland auch sehr wichtig, aber nicht so wie hier, in Frankreich. Da denke ich auch, dass dies nicht der Fall in allen französischen Familien ist, aber für die Familien, die ich kennengelernt habe, waren die schulischen Noten das Allerwichtigste.

Das französische Essen :

Wir waren erstaunt und fast sogar geschockt ! ! ! (und nun bringen wir alle einpaar Kilos mehr auf die Waage). Zuerst haben wir gedacht, dass wir niemals in der Lage wären, all das zu essen. Jede Mahlzeit hat uns immer wieder von neuem begeistert und letztlich war es immer super lecker!! Und wir haben viele neue Gerichte kennen, essen und lieben gelernt.

Folgendes ist uns am meisten ins Auge gefallen (oder besser gesagt in den Mund ;-) ) :
- Bei jeder warmen Mahlzeit wurde auch immer Baguette zum Essen serviert und auch im Nachhinein noch einmal mit Käse verzehrt.
- Zweimal täglich wurden warme Speisen gegessen.
- Und jedes Mal auch noch mit einer Vorspeise, einem üppigen Hauptgericht und einem leckeren Dessert.
- Stets wurde anstatt Selter Wasser aus dem (Wasser)Hahn getrunken und auch Wein war ein ständiger Begleiter.
- Selbst der Kaffee war nicht so, wie man ihn in Deutschland kennt. Nach dem Dessert gab es einen ca. 4 cl-Espresso, der aber hier Kaffee genannt wird und ziemlich stark ist.
- Obst wird hier als Dessert gegessen und absolut nicht zwischendurch.
- In Frankreich isst man alle gemeinsam zu geregelten Uhrzeiten am Tisch. Oft ziehen sich die Mahlzeiten relativ lang hin, da man nun mal viel isst, aber sich vor allem Zeit nimmt zum Erzählen und Diskutieren.

Letztendlich haben wir erkannt, dass wir das französische Essen lieber mögen… selbst mit der unangenehmen Folge des "Dickerwerdens" !



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